Mit dem Neuen kann in doppeltem Sinne die Chemie stimmen

An der Seitenlinie des ESV Thum-Herold steht nicht mehr Ronny Böhm. Das hat mit einer ganzen Menge Zufall zu tun.

Von Thomas Schmidt
erschienen am 22.10.2016



Herold. Wenn die Fußballerinnen des ESV Eintracht Thum-Herold morgen ab 14 Uhr beim SV Johannstadt auflaufen, haben sie keinen leichten Stand. Vom Rasenplatz am Käthe-Kollwitz-Ufer möchten sie dennoch etwas Zählbares mitbringen. Einer, der sich dies mitsamt seinen Landesligamädels wünscht, ist Kevin Weigand, der Neue. Dass der jetzige Verantwortliche an der Seitenlinie steht, ist einer Portion Jux und Tollerei zu verdanken. "Wir haben in den modernen Netzwerken aus Quatsch nach Mädels gesucht. Dabei habe ich die Olivia kennengelernt. Und als ich erfahren habe, dass sie auch noch Fußball spielt, war so ziemlich alles perfekt", erzählt der 28-Jährige. Dann ging alles ganz schnell, inzwischen sind die beiden Eltern, wohnen in Kleinolbersdorf und strahlen angesichts ihrer kleinen Charlotte, die am 11. Oktober das Licht der Welt erblickt hat. "Und wenn du schon in Herold gelandet bist, kannst du auch gleich Trainer machen", lautete eine Ansage. Ganz unbeleckt ist Kevin Weigand nämlich nicht, hat seit der Jugend in Chemnitz bei Vereinen wie VTB, Textima und Eiche Reichenbrand dem Leder nachgejagt. "Zuletzt meist im Tor, jetzt bei den Herolder Männern aber im Feld", klärt der junge Mann auf. Anscheinend läuft es ganz gut. Aber wie überall gibt es welche, die das Fußballspielen als Hobby betrachten oder ihren Zenit schon überschritten haben, und andere, die nach oben wollen und einen höheren Leistungswillen entwickeln. Zudem ist die Altersspanne ziemlich groß, reicht im Stammaufgebot von 16 bis zu 32 Jahren. "Da heißt es schon, erstmal reinschnuppern und schauen, wie es läuft sowie mit Einfühlungsvermögen möglichst alle von meinen Ideen und Überlegungen zu überzeugen", betont Weigand. "Hoch und weit bringt Sicherheit" ist jedenfalls nicht seine Philosophie. Und er glaubt, dass er im Verbund der älteren und jüngeren Spielerinnen einiges bewirken kann. Dazu muss aber die Chemie stimmen. Diesbezüglich kennt sich der Hunde- und Motorradfreund aus. Schließlich will er demnächst seine Doktorarbeit vorlegen und dann möglichst chemische Prozesse in einer Firma dokumentieren, analysieren und bewerten. Ähnlich ist es mit dem Fußball, wofür Kevin Weigand zumindest eine Übungsleiterlizenz erwerben will. "Das muss sein", sagt der ehrgeizige Chemiker. In seinem ein Jahr jüngeren Bruder Robin hat er dabei einen Verbündeten. "Der hat gesehen, dass das Übungsleiterdasein Spaß macht. Und nachdem er sich das Wadenbein gebrochen hat und nicht mehr spielen mag, hilft er mir jetzt als Co-Trainer, wenn er nicht durch seine Masterarbeit in der Autoproduktion zu sehr eingespannt ist", so Kevin Weigand.

 

Auch wenn Olivia Hunger in die Elf zurückkehrt, sieht er wenig Konfliktpotenzial. "Meine Freundin nimmt alles entspannt. Ich erkläre ihr auch, warum ich wie aufstelle. Das passt schon", befürchtet der ESV-Trainer keine Differenzen zwischen sportlichen und privaten Entscheidungen. Nur mit der Zeiteinteilung wird er künftig etwas jonglieren müssen. Denn neben Fußball und Beruf verlockt bei gutem Wetter einerseits seine 750er Suzuki zu schönen Ausfahrten, andererseits fordert Border-Collie "Flocke" seine Ausführzeiten. Zumindest die kann Kevin Weigand aber jetzt mit dem Kutscheschieben verbinden.

 

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